kunstinitiative2020 - Die Kirchen

 

Die „kunstinitiative2020“ findet im kommenden Jahr in Wiesbaden statt. Anfang 2020 wird aus den eingereichten Entwürfen von einer unabhängigen Jury drei Gewinnerprojekte ausgewählt, die dann die Preisträgerinnen und Preisträger bis Sommer 2020 Zeit ausarbeiten sollen. Das Ergebnis wird ab 30. August 2020 in den drei evangelischen Kirchen der Bergkirche, der Kreuzkirche und der Marktkirche in Wiesbaden zu sehen sein.

 

 

 

Kuratorium der kunstinitiative2020

 

Das Kuratorium der kunstinitiative hat im August 2019 mehr als 30 junge Künstlerinnen und Künstler ausgesucht und zur Teilnahme am Wetttbewerb vorgeschlagen.

Im diesjährigen Kuratorium sind vertreten:

  • Prof. Dr. Barbara Bader, Rektorin der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
  • Prof. Heike Baranowsky, Vizepräsidentin der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
  • Prof. Joel Baumann, Rektor der Kunsthochschule Kassel
  • Wolfgang Gemmer, 1. Vorsitzender des Kunstvereins Bellevue-Saal, Wiesbaden
  • Elke Gruhn, Direktorin des Nassauischen Kunstvereins, Wiesbaden
  • Prof. Dr. Martin Henatsch, Rektor der Kunsthochschule Mainz
  • Prof. Harald Klingelhöller, Rektor der Kunstakademie Karlsruhe
  • Prof. Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung, Offenbach a.M.
  • Prof. Philippe Pirotte, Rektor der Städelschule, Frankfurt a.M.

 

 

kunstinitiative2020 - Projektleitung startet ihre Arbeit

Seit November 2018 steht fest, dass die Kunstinitiative der EKHN eine Neuauflage in 2020 erleben wird. Dieses Mal erhalten die geförderten Künstler*innen die Möglichkeit in Wiesbaden ihre Kunstwerke zu realisieren. Die Eröffnung findet statt am 30. August 2020. Alle Informationen finden Sie auf dieser Internetseite. Die Projektleitung, die seit Februar 2019 an der Umsetzung arbeitet, freut sich auf Ihre Rückmeldungen.

 

 

Das Thema 2020: "Die Anderen"

 

Die Kunstinitiative der EKHN möchte im Jahr 2020 unter dem Titel „Die Anderen“ mit aktuellen Positionen der Kunst in den Diskurs kommen.

„Die Anderen“ ist als Blickverweis und als Frage zu verstehen: Wer bin ich, wer sind wir und wer sind die Anderen? Im Vergleich zu früher fallen die Antworten heute vielfältiger und gegensätzlicher aus.

Unsere Gesellschaft ist offener und bunter geworden als je zuvor. Unterschiedlichste Lebensentwürfe lassen sich verwirklichen. Autorinnen wie Isolde Charim („Ich und die anderen“) und Carolin Emcke („Gegen den Hass“) beschreiben diese pluralisierte Gesellschaft. Sie nennen ebenfalls die Herausforderungen, die damit einhergehen. Denn die Vielfalt ruft auch Abwehr und den Wunsch nach Abschottung auf den Plan.

Verstärkt werden diese Gegensätze durch Prozesse, die fast überall auf der Welt gleichzeitig stattfinden und in unsere individuellen Lebensbereiche hinein wirken. Die prominentesten Faktoren sind Globalisierung und Digitalisierung, die Schere zwischen Arm und Reich, Migrationsbewegungen und Klimawandel.

In diesem Kontext befördern populistische Ausgrenzungsbestrebungen und wieder wachsende Nationalismen die Sehnsucht nach scheinbar heilen, homogenen Strukturen und bauen Feindbilder auf, um sich daran zu stärken. Es macht den Eindruck, dass weltweit die Tendenz zunimmt, die Identität der eigene Gruppe, der eigenen Interessen und Vorstellungen aggressiv abgrenzend gegen andere aufzubauen. Mildere, aber ebenso breitenwirksame Formen von Abschottung zeigen sich durch Veränderungen in der Kommunikation, nicht zuletzt durch den Gebrauch von Social Media. Je partikularer sich die Gesellschaft zeigt, desto weniger Bereitschaft besteht, so scheint es, zwischen den einzelnen Teilen in den Diskurs zu treten.

Wer sind „Wir“, wer „die Anderen“? Wie fest oder durchlässig sind die Grenzen dazwischen? Diese Fragen haben Bedeutung für wohl jede Kultur und jede Religion. Schaut man auf die Geschichte der Kirche, dann zeigen sich die Antworten äußerst gegensätzlich: Fremden- und Feindesliebe einerseits, Glaubenskriege andererseits. Doch die Bereitschaft, sich selbst zu verändern in der Begegnung mit anderen, hat die Verbreitung des christlichen Glaubens erst ermöglicht. Vielleicht kann das Christentum von seinem Ursprung her überhaupt als Religion der Begegnung verstanden werden, als eine Religion des Diskurses, der sich für Anderes öffnet.

Die Räume der Kirche sind von jeher mit etwas „ganz Anderem“ in Verbindung gebracht worden, nämlich mit der göttlichen Sphäre. Nicht selten werden die Kirchengebäude als Raum für Transzendenz wahrgenommen, das heißt: für grenzüberschreitende Erfahrungen. Offene Kirchen in der Stadt nehmen sich aus der Nutzung für Wohnen, Arbeiten und Handeln heraus. Sie stehen als Platzhalter für etwas, das sich nicht verzwecken und kommerzialisieren lässt.

Gleichzeitig werden Kirchenmitglieder in unserer Gesellschaft zu einer kleiner werdenden Gruppe. In vielen Großstädten zählen sie schon jetzt als Minderheit. In einer zunehmend säkularisierten Welt wird die Kirche selbst zum anderen. Auch das ist eine Wahrheit der pluralisierten Gesellschaft.

In diese zeitgenössische Gemengelage hinein bewegt sich das Thema der kunstinitiative2020 und möchte Künstlerinnen und Künstler zu einem Dialog über ihre bildhaften Vorstellungen über „Die Anderen“, einladen.