Kurzinterview mit Daniela Kneip Velescu

kunstinitiative: Woran arbeitest du gerade?

Daniela Kneip Velescu: Einerseits natürlich an der Umsetzung meines Projektvorschlags – bisher existiert diese Installation ja nur in meiner Vorstellung. Durch mein Konzept konfrontiere ich mich jetzt mit neuen Materialien und dazugehörigen Herstellungsprozessen, die mir noch nicht vertraut sind.
Außerdem arbeite ich auch an einem anderen Projekt, über das ich aktuell noch nicht so viel sagen kann – eine Zweier-Ausstellung die 2017 stattfinden wird. Parallel zum Wettbewerb der kunstinitiative hatte ich auch am Konzept für eine Installation in der Schaufenster-Galerie TheTip, gearbeitet (http://kubaparis.com/daniela-kneip-velescu-total-look-a-study-in-plastic/) – in Bezug auf Raum und Kontext ein kompletter Gegensatz. Gleichzeitig gibt es in der unterschiedlichen Herangehensweise und Betrachtung einige Verknüpfungen – wie z. B. der verstärkte Einsatz von Farbe - welche erst mit der Realisierung des Kirchenprojekts spürbar werden.

kunstinitiative: Was hat dich am Thema Gnade interessiert?

Daniela Kneip Velescu: Das Thema „Gnade“ und der daran geknüpfte Kontext eines evangelischen Kirchenraums riefen bei mir inhaltlich viele Fragen auf. Das Thema hat seine Sperrigkeit bewiesen beim Versuch mich dazu in Beziehung zu setzen und eine Haltung einzunehmen. Es war oder besser ist ein ständiger Prozess und braucht Gedankenaustausch. Und genau dieses Unabgeschlossene und Ungreifbare daran interessiert mich. Zu versuchen den Begriff der Gnade in Worte zu fassen ist ein komplexes Unterfangen und meines Erachtens eher (er)spürbar als erklärbar – in meiner künstlerischen Umsetzung dreht sich Gnade um das Potential von Bewegung, das sichtbar wird in Handeln und Austausch.

kunstinitiative: Ist das deine erste künstlerische Arbeit für einen Kirchenraum? Was erhoffst/wünschst du dir von einer Installation im Kirchenraum und was interessiert dich an der Kirche, die du ausgesucht hast?

Daniela Kneip Velescu: Ja, das ist meine erste künstlerische Arbeit für einen Kirchenraum.
Bei der Begehung der drei Kirchen war mir schnell klar, dass ich keine raumfüllende Arbeit realisieren möchte, sondern mich vielmehr auf einen subtilen Eingriff konzentrieren werde, der die Aufmerksamkeit nicht aus jeder Richtung auf sich lenkt. Mir ist es wichtig eine Wirkung zu erzielen, ohne zu stark in die gegebene Architektur oder Akustik einzugreifen und dafür ein haptisches Moment zu ermöglichen. Ich erhoffe mir eine Erweiterung der Arbeit durch die Einbeziehung des/der Besuchers/in mit erwünschtem unbekannten Ausgang/Reaktionen, also eine Form der Kommunikation. Trotz oder gerade aufgrund der Zurücknahme meiner Arbeit hat sie einen sehr demokratischen oder gerechten Ansatz – jede/r Sitzende wird von ihr profitieren. Auch wenn sie ihm/ihr vielleicht geschmacklich nicht zusagt.
Ich mag den offenen und klaren Aufbau der Michaelskirche im Stile der Nachkriegsmoderne und die asymmetrische Platzierung der Buntglasfenster. Um eine Verbindung zum Außenbereich zu schaffen, werde ich auch den freistehenden Glockenturm in meine Installation integrieren. Ausschlaggebend war auch, dass der Michaelsgemeinde eine Kindertagesstätte und ein Hort angeschlossen sind – die Einbindung der Kinder ist sofort ablesbar am integrierten Spielbereich hinter der linken Sitzgruppe.

 

 

 

Kurzinterview mit Georg Lutz

kunstinitiative: Woran arbeitest du gerade?

Georg Lutz: Die für Darmstadt entstehende Arbeit ist Teil einer Werkgruppe mit dem Titel „Eden Research“. Diese bearbeitet ethisch-philosophische Grundfragen in der Struktur von Religion und Glaube. Für die einzelnen Arbeiten versuche ich jeweils die konzeptionell angemessenste Form zu finden. In den meisten Fällen entstehen hierbei Fotografien, Objekte und Installationen. Häufig vervollständigt der Rezipient die jeweilige Arbeit erst durch seinen individuellen gesellschaftlichen und kulturellen Hintergrund. Dies hat zur Folge, dass sich je nach Betrachter eine unter Umständen gänzlich unterschiedliche Arbeit manifestiert.

kunstinitiative: Ist das deine erste künstlerische Arbeit für einen Kirchenraum? Was hat dich am Thema Gnade interessiert? Was erhoffst/wünschst du dir von einer Installation im Kirchenraum?

Georg Lutz: Das Thema Gnade, ein als Grundpfeiler fungierender Begriff des Glaubens, lässt sich sehr passend in mein momentanes Beschäftigungsfeld integrieren. Im Zuge der Kunstinitiative ist es mir zum ersten Mal möglich meine künstlerische Arbeit direkt in eine Kirche zu implantieren und somit ein Spannungsverhältnis zwischen sakralem Raum und künstlerischem Werk, welches sakrale Aura bearbeitet, herzustellen.

 

 

 

Kurzinterview mit Lisa Weber

kunstinitiative: Woran arbeitest du gerade?

Lisa Weber: Gegenwärtig arbeite ich an der Realisation der Darmstädter Arbeit, einer Videoinstallation für die Stadtkirche, die sich inhaltlich mit einer Erzählung von Ingeborg Bachmann auseinandersetzt. Daneben bereite ich aber auch zwei Beiträge zu einer Gruppenausstellung im Januar in Berlin vor sowie eine Einzelausstellung nächstes Jahr im Oktober in Venedig.

kunstinitiative: Ist das deine erste künstlerische Arbeit für einen Kirchenraum? Was hat dich am Thema Gnade interessiert? Was erhoffst/wünschst du dir von einer Installation im Kirchenraum?

Lisa Weber: Das Thema Gnade hat für mich etwas mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun. Von Anfang an war klar, dass die Arbeit sich künstlerisch mit dem Stoff von Bachmann beschäftigen sollte. Dort - wie in meiner gesamten Arbeit geht es ja stark um das Sehen, um Schärfen und Unschärfen, um das Erkennen, um Nähe und Distanz, alles Phänomene, die sich auch auf den Begriff der Gnade beziehen lassen.
Für mich ist das die zweite Arbeit für einen Kirchenraum. Die Arbeit soll einen installativen Charakter erhalten, d.h. die Besucher auch räumlich involvieren und hineinziehen.

 

 

Kurzbiographien der Preisträger/innen

Daniela Kneip Velescu

geb. 1982 in Bukarest, Rumänien. Lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. 2005 bis 2011 Studium der Freien Kunst an der Städelschule, Frankfurt, bei Prof. Michael Krebber und Prof. Willem de Rooij (Meisterschülerin).

U.a. 2013 Artist in Residence in Budapest (Kulturamt Frankfurt am Main), 2012  Anerkennungspreis der Vordemberge Gildewart Stiftung sowie 2011 Reisestipendium Rumänien der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Einen Eindruck der Arbeiten von Daniela Kneip Velescu vermittelt ihr Portfolio, welches Sie hier mit einem Klick herunterladen können.


Georg Lutz

geb. 1987 in Stuttgart. 2007 bis 2015 Studium der Freien Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Alexander Roob (Diplom).

2015 bis 2016 Postgraduales Studium im Weißenhof-Programm der Bildenden Kunst (Meisterschüler).

U.a. 2015 Weit.Sicht. Zukunftsstrategien für eine nachhaltige Entwicklung, Jugendinitiative der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg sowie Shortlist Kahnweiler-Preis für Skulptur. Nähere Informationen finden Sie auch auf der Internetseite des Künstlers: www.georglutz.com


Lisa Weber

geb. 1985 in Einöd. 2004 bis 2011 Studium an der Kunsthochschule Mainz. 2009 bis 2010 MFA Student of Fine Arts Program, California State University Chico.

2012 bis 2013 Gaststudentin von Mischa Kuball, Kunsthochschule für Medien Köln. 2011 bis 2013 Meisterschülerin von Prof. Dieter Kiessling, Kunsthochschule Mainz.

U.a. Balmoral Stipendium für Seoul, Südkorea, Hopper Award und Preis der Darmstädter Kunsthalle. Ein kurzes Portfolio steht hier für Sie zum Downloaden bereit.
Weitere Informationen zur Künstlerin finden Sie auf ihrer Internetseite: www.lisaweber.net